Das Grüne Wohnzimmer

Es gibt Themen, die uns bei den OSBG, im Kontext von Nachhaltigkeit und Umweltschutz persönlich sehr bewegen. Diese Themen möchten wir nicht nur untereinander aufarbeiten, sondern auch mit euch diskutieren! Im gemütlichen Rahmen eines kommunikativen Wohnzimmers werden wir uns gegenseitig informieren, Ideen sammeln, Meinungen austauschen und neue Kontakte knüpfen. Das grüne Wohnzimmer ist aus dem Wunsch heraus entstanden, wichtige Themen nach außen zu tragen, und ist daher nicht auf Studierende beschränkt. Unserer Meinung nach sollte jeder die Chance bekommen, sich mit Fragen des Naturschutzes und nachhaltigen Handelns zu beschäftigen, da diese zukünftig von immer größerer Bedeutung sein werden. 

So könnt ihr Mitmachen:

Ihr habt ein gemütliches Wohnzimmer zur Verfügung, oder wisst ein Thema, welches ihr gerne in der Gruppe diskutieren würdet? Dann meldet euch am besten gleich über das Kontaktformular, oder kommt zum nächsten Treffen. Ein entsprechender Termin wird in kürze im Kalender erscheinen. 



Bisherige Grüne Wohnzimmer:

2. GWZ zum Thema Klimawandel (18.12.2018)

Am 18.12.2018 haben wir im Rahmen des "Grünen Wohnzimmers" über den Klimawandel und seine Auswirkungen auf die Umwelt und die möglichen Folgen für die Menschheit informiert. Bei der Runde, diesmal in Felix´ Wohnzimmer, waren nicht nur Mitglieder der OSBG, sondern auch weitere interessierte Personen vertreten. Die abschließende Diskussion lieferte somit ein breites Meinungsspektrum, was es für uns alle eine zu einer bereichernden Erfahrung machte. Nicht nur akute und mögliche Folgen der Erderwärmung wurden erörtert, sondern auch sehr weitgehende Lösungsansätze gemeinsam besprochen.

Als filmische Untermalung und Orientierung nutzen wir dieses mal "Immer noch eine unbequeme Wahrheit" von Al Gore, eine Fortsetzung seines bekannten Films "Eine unbequeme Wahrheit" von 2006 Dabei handelt es sich insgesamt um eine leicht verdauliche, und doch fundierte Evaluation der seitdem vergangenen Zeit im Kontext des Klimawandels und der diesbezüglichen Politik. Nach ein paar einführenden Worten zur wissenschaftlichen Basis der anthropogen beschleunigten Erderwärmung wurde näher auf das Abschmelzen der grönländischen und antarktischen Eisschilde eingegangen. Besonders die damit einhergehende Steigung des Meeresspiegels und die Gefahr der Überschwemmung von Küstengebieten weltweit kam hier am Beispiel Florida, im Speziellen Miami Beach, zur Sprache. Anschließend wurden anhand verschiedener Phänomene von Extremwetter die dramatischsten und offensichtlichsten Folgen der Erderwärmung dargelegt. Diese waren Hurricanes, vermehrte Fälle von mit extremen Winden gepaarten Starkregenfällen (sogenannte "wet downbursts"), Hitze, Austrocknung und die damit einhergehende verstärkte Gefahr von Brandkatastrophen.

Im folgenden Teil wurde der politische und mediale Umgang mit dem Klimawandel diskutiert. Interessant waren hier die starke Verstrickung z.B. der Braunkohle- oder Automobillobby mit der Politik, sowie die häufig sehr unsachliche und mit unlauteren Methoden kolportierte Publicity der Erzeuger von Kohlestrom. Hierfür wurde im Speziellen die aufkommende Praxis, Lobbyinteressen als Bürgerinitiativen zu Tarnen (sog. "Astroturfing"), auseinandergenommen. Diese Umstände stellen für uns ein extreme Hemmnisse für einen effektiven Klimaschutz und eine schnelle Energiewende dar. Weiterhin interessant war in diesem Kontext der Missbrauch des Klimawandels zu reinen Kapitalinteressen z.B. durch Eisenbahn- oder Versicherungsunternehmen. Solch ein Missbrauch ist nicht nur schädlich für eine sachliche Diskussion, sondern befeuert zugleich wegen des Verlusts von Glaubwürdigkeit Skepsis am Klimawandel an sich.

Weiterhin wurden natürlich noch unsere besten technologischen Optionen zum Überwinden der Klimakrise vorgestellt und deren immer offensichtlicher werdendes Potential dargelegt: Die Photovoltaik und Windenergie. Besonders erstere ist mittlerweile derartig effizient geworden, dass mit ihr erzeugter Strom mittlerweile kostengünstiger als die meisten konventionellen Energieformen ist und sich Anlagen energetisch schon nach wenigen Jahren komplett amortisieren. Mit einem darauf folgenden Exkurs in das theoretische Konzept einer Wasserstoffwirtschaft sollte anschließend ein technologischer Lösungsansatz für eines der häufigsten Argumente gegen erneuerbare Energien präsentiert werden: Die wechselnde Verfügbarkeit von Solar- und Windenergie im Tages- und Jahresverlauf. Dieses Konzept hingegen, nach dem zu Zeiten des Überschusses elektrische Energie durch Elektrolyse von Wasser zu Wasserstoff als Speichermedium überführt wird, würde hypothetisch langfristig eine weitgehende Befreiung von den als "Brückentechnologie und unverzichtbar" angepriesenen Braunkohlekraftwerden ermöglichen.

Wir haben uns jedoch auch die Frage gestellt, ob Fortschritte in der Technologie ausreichen, um einem wachsenden Pro-Kopf-Konsum in Kombination mit dem stetigen Wachstum der menschlichen Population entgegenzuwirken. Selbst wenn lokale und globale politische Hemmnisse gegen solche neuen Technologien sofort abgebaut würden, wären neben dem Klimawandel selbst die weiteren negativen Einflüsse des Menschen auf die Umwelt noch gar nicht angegangen. Lebensraumzerstörung, Gewässereutrophierung, Flächenversieglung, Wilderei, Plastikmüll in den Meeren… All dies war nicht Thema dieses Grünen Wohnzimmers und die Maßnahmen, die nötig wären um das alles aufzuhalten, wären um einiges radikaler als die Dinge, die nötig sind, um „nur“ den Klimawandel einzudämmen.

Aber selbst für dieses Ziel dürfte zusätzlich zur technologischen Verbesserung unserer Umweltverträglichkeit auch gesellschaftlicher Wandel nötig sein. „Die Wirtschaft“ oder „die Politik“ verantwortlich zu machen ist einfach. Sicherlich liegt dort viel Verantwortung. Es werden viele Fehlentscheidungen getroffen, falsche Anreize geschaffen und sich viel in die eigene Tasche gewirtschaftet. Aber dennoch liegt auch viel Verantwortung bei jedem Einzelnen. Die Verantwortung, die Quälerei öffentlicher Verkehrsmittel über sich ergehen zu lassen, statt alleine im Fünfsitzer zur Arbeit zu fahren. Die Verantwortung nicht zwangsläufig dreimal am Tag – überhaupt jeden Tag - Fleisch zu essen. Die Verantwortung, zumindest CO2 Kompensation zu leisten, wenn man die Notwendigkeit verspürt Fernreisen zu tätigen. Und die Verantwortung seine Meinung zu sagen, wenn einen diese Dinge stören, auch wenn es unbequem und oft unbeliebt ist. Denn all diese Dinge kann man sich leisten. Aber nur weil ein Großteil ihrer Kosten nicht im Kaufpreis enthalten ist. Es ist ein Kredit. Ein Kredit bei der kommenden Generation, den nur die Wenigsten von uns abbezahlen können oder wollen. Es ist schwer, 200 oder 300 Jahre – viel länger als ein Menschenleben - in die Zukunft zu denken. Vor allem, wenn es so viele alltägliche Probleme im Hier und Jetzt gibt, für die man die Zukunft gerne vergisst. Aber wir sind mittlerweile an einem Punkt angekommen, an dem unser Einfluss auf die Ökosysteme dieses Planeten so groß geworden ist, dass an diesen Einfluss auch die Verantwortung gekoppelt sein sollte, sich dieses Denkens anzunehmen.

Wer solche Verantwortung und die Notwendigkeit eines Umdenkens erkennt, der sollte also seine Meinung kundtun und versuchen, diese Gedanken zu verbreiten. Das war Thema unseres letzten Abschnittes, denn Fakten zum zerstörerischen Einfluss des Menschen zu präsentieren hat hier oftmals nicht den gewünschten Effekt. In der tatsächlichen Entscheidungsfindung spielen Fakten häufig nur eine untergeordnete Rolle. Viel wichtiger sind Grundhaltungen, Prägungen und vor allem Emotionen. Diese anzusprechen widerstrebt Wissenschaftlern normalerweise. Aber wie schon Prof. Heribert Hofer in unserer Vortragsreihe erläuterte, sind es gerade Kenntnisse der Art und Weise, wie in gesellschaftlichen Diskussionen Erfolg erzielt wird, die den meisten Biologen fehlen. Mit Fachfremden zu diskutieren kann für Wissenschaftler mühsam und vielleicht sogar frustrierend sein, aber letztlich ist es unerlässlich. Zum Ende des Grünen Wohnzimmers haben wir uns aus diesem Grund noch Beispiele aus Reden und Konflikten einiger politischer Akteure angesehen, um zu analysieren, mit welchen Methoden sie in Diskussionen Erfolg erzielen. Diese Kniffe und rhetorischen Techniken sollte sich jeder, der sich öffentlich für Themen mit eher geringer Beliebtheit wie nachhaltige Entwicklung oder Konsumbeschränkung einsetzt, unbedingt auch zueigen machen. Denn ein starkes öffentliches Bewusstsein für den Schutz und Erhalt unserer Umwelt zu schaffen ist uns ein essentielles Anliegen.

 

Alles in allem war es ein thematisch sehr vielfältiger und spannender Abend. Von den klimatischen Fakten zu den Folgen der globalen Erwärmung, über die öffentliche Wahrnehmung des Themas zu technischen und gesellschaftlichen Lösungsansätzen bis hin zu Methoden, um sich selbst des negativen ökologischen Einflusses jedes Einzelnen bewusst zu werden und dieses Bewusstsein zu verbreiten. Die Diskussion entwickelte sich noch weit über die angesetzten drei Stunden hinaus bis in den späten Abend hinein, blieb aber dennoch bis zum Schluss angeheizt.

 

von Rob Imeyer und Felix Przesdzink


1. GWZ zum Thema Plastikmüll (22.05.2018)

 

 Am 22. Mai kamen wir zum ersten Mal für eine entspannte Diskussionsrunde zu Themen ökologischen und umweltpolitischen Interesses zusammen. Konkret beschäftigten wir uns bei diesem Testlauf des Konzepts mit der stetig wachsenden Problematik der Vermüllung unseres Planeten mit Plastikabfällen. Dabei wurden nicht nur die offensichtlichen Folgen, sondern insbesondere auch die nach und nach zunehmenden, unbemerkten Gefahren eines rücksichtslosen Umgangs mit dem Material thematisiert.

 

Als Orientierungshilfe und fundierten Hintergrund nutzten wir die arte-Dokumentation „Plastik überall – Geschichten vom Müll“. Die in ihrem Verlauf angesprochenen Themen dienten uns als Aufhänger für Diskussionen in der Runde. Diskutiert haben wir, um nur einige wichtige aufzuzählen, die Entwicklung des menschlichen Plastikkonsums im Laufe der Geschichte, der fragwürdige Export von Plastikabfall v.a. nach Ostasien, die Allgegenwärtigkeit von Plastik im Alltag, Gefahren durch Plastik für marine Fauna, Mikroplastik und seine umfassenden z.T. noch unbekannten Auswirkungen auf Ökosysteme, sowie verschiedene Lösungsstrategien, um dieser Probleme Herr zu werden. Zum Abschluss folgte noch ein kleiner, offener Austausch, in dem über persönliche Betroffenheit und Involviertheit zum Thema reflektiert und Handlungsoptionen erörtert wurden.

 

Insgesamt wurde das Konzept sowohl von den Organisierenden, als auch von den Teilnehmern als sehr konstruktiv bewertet, sodass wir uns wohl im kommenden Semester mit Sicherheit auf weitere, spannende Diskussionsabende freuen dürfen. An einer Teilnahme Interessierte seien an dieser Stelle herzlich eingeladen, auf uns zuzukommen und sich für ein Grünes Wohnzimmer anzumelden. Die Themen werden natürlich noch vorab bekannt gegeben.

 

Organisatorisch verantwortlich für das Grüne Wohnzimmer ist Jasmin, die auch ihre Räumlichkeiten für die Veranstaltung zur Verfügung stellt. Dafür möchten wir herzlich danken!

 

von Rob Imeyer